Innovationsprojekte: „Wir spielen ‚Die Höhle der Löwen‘ nach“

Das beste Studium nützt nichts, wenn beim ersten Pitch die Nerven flattern. Deshalb hat die Steinbeis SMI für ihre Studierenden das Format Innovationsprojekt eingeführt. In zwei Präsentationen müssen die Anwärter ihr Produkt zum Erfolg führen.
Seit rund drei Jahren dürfen sich die Bachelor-Studierenden an der Steinbeis SMI einer Feuerprobe aussetzen, wie man sie auch aus dem Fernsehen kennt: Ein  Geschäftsmodell soll „vor Investoren“ oder „vor dem Vorstand des eigenen Arbeitgebers“ als Innovationsprojekt präsentiert werden. Prüfer wie Thorsten Keisi, Leiter des Projektcoaching-Teams und der Fachbetreuung, stellen dann die harten Fragen – Kommilitonen schauen zu und hinterfragen ebenfalls die Geschäftsmodelle. „Wir bringen ihnen auch bei, wie sie den Pitch von der Dramaturgie her spannender machen können“, sagt er. Und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, dürfen die Teams zweimal antreten. Aber dann gibt es eine Note!


Einfach mal ins kalte Wasser springen

„Es geht darum, dass man Ideen teilt und einfach mal macht, nicht nur luftlos darüber spricht“, erklärt Keisi. Deshalb finden sich zu vorgegebenen Terminen Gruppen zu meist drei Leuten zusammen, die auch über die Distanz, berufs- und familienbegleitend funktionieren müssen. Zwei Prüfer bewerten, wie die Zusammenarbeit geklappt hat und welche Tools eingesetzt wurden. In ihrer Manöverkritik beurteilen sie, ob das Marktpotenzial richtig dargestellt wurde, ob die Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung korrekt berechnet wurden. „Man merkt, wenn eine Idee nicht ausgereift ist. Oft werden Zielgruppen vergessen oder falsch eingeschätzt. Manchmal wird zu viel gewollt, die Fokussierung fehlt. Oder der Kundennutzen erscheint nicht deutlich.“ Kurz: An der Steinbeis SMI spielt man „Die Höhle der Löwen“ nach.

Lösungen für ein effizienteres Arbeiten

Die Kreativität ist groß. Manche wollen den Check-in-Prozess am Flughafen optimieren, andere über Straßenlaternen eine WLAN-Abdeckung erreichen. Ein Team überlegte sich, wie man Rauchmelder per Fernmessung überprüfen könnte, die nächsten wollten private Packstationen mit Kühlgeräten in allen Hinterhöfen Berlins aufstellen.
Alen Djonbalic hat mit seinen Kommilitonen Nadia Hager und Nico Herrmann eine App und Plattform entwickelt, die die Kooperation zwischen Steuerberatern und ihren Mandanten erleichtert. Alle relevanten Dokumente können hochgeladen werden; so hat jeder von überall Zugriff, der Abschluss wird effizienter und günstiger. Alen, der in Nürnberg beim Wissens- und Informationsdienstleister Wolters Kluwer arbeitet, nutzte dabei die hauseigene Software ADDISON als Basis. Für ihn war die Strukturierung des Projekts die größte Herausforderung. „Am Anfang macht man sich total verrückt und kommt nicht weiter“, berichtet er, „ aber wenn man den roten Faden gefunden hat, dann läuft‘s und macht auch richtig Spaß!“ Das Innovationsprojekt nimmt er als Synergie aller Vorlesungen wahr: Strategie, Entrepreneurship, Innovationsmanagement – alles wird gebraucht.

Ein Lieferando für Friseurdienstleistungen

So sieht es auch Lukas Flöer (business.lukas.floeer@gmail.com), ebenfalls aus dem Studiengang Marketing & Management, der die App OurHair entwickelt hat. „Ein Lieferando für Friseurleistungen“, umschreibt er den Kundennutzen, denn dank der App kommt der Haarkünstler zu einem nach Hause.
OurHair soll Auszubildenden und Gesellen helfen, etwas dazuzuverdienen. Die hoffentlich positiven Kundenbewertungen sind dabei die beste Werbung. Lukas empfiehlt seinen Kommilitonen: Man sollte sich für das Projekt entscheiden, welches man schon die ganze Zeit umsetzen wollte, und nicht eines, bei dem man sich eine möglichst gute Note erhofft.“ Und noch eine interessante Erfahrung hat er gemacht: „Das Teilen der Idee hilft zu optimieren.“ Also sollte man ruhig die Präsentation zur Beurteilung im eigenen Kreis verschicken. „Die Angst, dass einem das Geschäftsmodell geklaut werden könnte, ist ein Irrglaube.“

Autorin: Gabriele Spiller

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