Markus Venzin: Verantwortliches Führen ist die beste Strategie


Markus Venzin ist ein Mensch, der global denkt. Sein Unterricht an der Steinbeis School of Management and Innovation behandelt das große Ganze. Sein Seminar „Global Strategy“ klingt danach, wie man die ganze Welt beherrscht – und manche möchten das ja auch mit ihrem Produkt. Wenn ein Unternehmer das Zeug dazu hat, dann wird sie dieser Professor, der einen Lehrstuhl an der Mailänder Bocconi Universität bekleidet, auf den richtigen Weg bringen. Denn er kennt die Methoden nicht nur aus dem Lehrbuch; er hat ein eigenes darüber geschrieben (Der Strategieprozess: Praxishandbuch zur Umsetzung im Unternehmen).

Prof. Dr. Markus Venzin
Der smarte Schweizer ist schon seit dem Start des MedienMBA 1999 eine bewährte und beliebte Persönlichkeit an der Steinbeis-SMI. Fachlich habe sich in dieser Zeit in der Strategie gar nicht so viel getan, berichtet er, es seien keine neuen Konzepte herausgekommen, die die Welt verändert hätten. Aber die Digitalisierung habe die Industrien verändert und werde das auch weiterhin tun. So kommt er von modellhaften linearen Überlegungen und Erwartungen immer mehr ab. Vielmehr forscht er nun zur Widerstandskraft von Organisationen. Sein Buch „Resilient Organizations“ ist bei Cambridge University Press erschienen.

„Unternehmen können Widerstandsfähigkeit gegen Marktturbulenzen entwickeln“

Es geht darin um verantwortungsvolles, ethisches Führen in Zeiten der Ungewissheit. Dafür hat er jahrelang in sieben Branchen recherchiert und die Faktoren ermittelt, die einen Betrieb robuster machen als seine Mitbewerber. Deshalb lernen die Steinbeis-Studierenden bei ihm, warum manche Firmen Marktturbulenzen überstehen und andere nicht. Ganz konkret referiert er, wie Top-Management-Teams zusammengesetzt sein müssen, wie man langfristiges Denken entwickeln kann, und wie wichtig Authentizität ist. „Ich untersuche, wie international Firmen sein sollten, ob man schnell in mehrere Märkte gehen sollte oder lieber in einige wenige – mit dem Ziel, dort Marktführer zu werden.“ Da ist klar, dass sich seine Zuhörer bereits in Online-Modulen oder Venzins „Strategy App“ vorinformiert haben sollten, um dem Vortrag auf Englisch zu folgen. Das ist zum Beispiel während der Studienwoche in Mailand der Fall.


„Experimentieren und Ausprobieren ergänzt strategisches Denken“

Und weil er auch ein Praktiker ist, hat er sich des Konzepts des Experimentierens angenommen: Die eine Hälfte testet eine Strategie auf eine Art, die andere auf eine andere – um zum Beispiel auszuprobieren, ob sich ein Produkt besser verkauft, wenn man 50% Rabatt oder ein zweites gratis dazu gibt. Experimentieren werde in vielen Bereichen immer wichtiger und ergänze strategisches Denken. „Ich habe festgestellt“, sagt Markus Venzin zum überraschenden Abschluss, „dass man keine allgemein gültigen Strategie-Rezepte anwenden kann; man muss Industrielogiken und den Firmenkontext berücksichtigen - und auch in großen Betrieben eine Start-up-Mentalität etablieren“.

Die Autorin Gabriele Spiller ist Medien-MBA-Alumna der Steinbeis-SMI und Journalistin. Im SMI-Blog stellt sie die Steinbeis School of Management and Innovation, ihre Dozenten und Studierenden vor.

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