Eine Frage der Führung: Leadership im digitalen Wandel

Brauchen wir Leadership in Zukunft überhaupt noch? Martin Wilckens, Senior Manager HR Digital & Innovation bei der Deutschen Telekom, stellte diese provokante Frage im Rahmen seiner Präsentation „Future of work: transitions and dilemmas in the next decade“ beim „Future of Work Summit“ in den Raum. Ohne Zweifel, das digitale Zeitalter stellt neue Anforderungen an Führungsteams. Aber das Konzept Führung gleich komplett in Frage stellen?

future of work summit deutsche telekom

Wilckens adressierte diesen Aspekt vor einem ganz persönlichen Hintergrund: Nachdem er zwölf Jahre lang als VP Group Strategy & Information für Deutsche Telekom tätig gewesen war, wollte er 2016 sein Berufsleben ändern und etwas Neues machen. Der Schritt ins Personalwesen, der formal eine „Verschlechterung“ darstellte, war dann im Unternehmen komplizierter als gedacht – das Verständnis innerhalb der konventionellen Strukturen dafür anscheinend nicht vorhanden: „Der Prozess, ein normaler Angestellter zu werden und damit auf der Hierarchiestufe ‘nach unten‘ zu gehen, war sehr, sehr schwierig. Dabei profitieren im Endeffekt alle Seiten davon. Ich bringe mein strategisches Know-how ins Personalwesen ein und kann im Gegenzug wiederum selbst Neues lernen, z. B. Methoden wie Design Thinking, was wir innerhalb der Deutschen Telekom stark einsetzen.“

vuca arbeitswelt
In der „VUCA“-Arbeitswelt ist nichts sicher und alles komplex – Führungskräfte werden vor neue Herausforderungen gestellt.

 

Leadership hängt nicht an Titeln

Zurück zum Anfang: Natürlich geht es nicht darum, Führung komplett abzuschaffen. Vielmehr wird die Frage gestellt, ob die an Hierarchien und Titel gebundene Führung in der neuen Arbeitswelt, die Digitalisierung und einen gesellschaftlichen Wertewandel widerspiegelt, noch in dem Maße nötig sein wird. Und das ist eine sehr relevante Frage. Denn: Bei Führung geht es, im Endeffekt, im Wesentlichen auch darum, Entscheidungen zu treffen und dafür muss man nicht zwingend einen Vice President Titel tragen, wie Wilckens betonte.

microsoft ceo satya nadella
Microsoft CEO Satya Nadella benennt den Paradigmenwechsel: nicht mehr alles wissen, aber alles lernen wollen.

Das andere Gesicht von Leadership wurde auch in einem Gespräch zum Thema „What does current and future leadership look like“ beschrieben. Wenn sich alles ständig ändert und keiner mehr das ultimative Wissen haben kann, dann stößt der konventionelle Führungsstil, wie wir ihn aus der vor-digitalen Zeit kennen, an seine Grenzen: Mit Charisma vorangehen und Anweisungen geben – diese Art von monolithischem Führen muss in Frage gestellt werden. Priya Guha, Ecosystem General Manager beim Technologie-Campus und Accelerator RocketSpace, beschreibt, was stattdessen in den Vordergrund tritt: emotionale Intelligenz, als Coach und Mentor agieren, die richtigen Mitarbeiter anziehen und gut kommunizieren können.

Gefragt: Authentizität und Einsicht

Den einen Führungsstil, hier waren sich alle einig, wird es nicht mehr geben, sondern verschiedene Kombinationen und Ausprägungen. Um gerade Mitarbeiter der Generation Y zu begeistern und zu halten, ist es entscheidend, den Sinn und Zweck eines Unternehmens glaubwürdig und authentisch vermitteln zu können. Und: Führungspersonal muss damit umgehen können, dass Geschäftsentwicklungen immer weniger vorhersehbar und planbar sind:
„Man darf keine Probleme damit haben zu sagen: Ok, diese Strategie passt nicht mehr oder war möglicherweise von Anfang an nicht die richtige“, so Rachel Coldicutt, CEO von Doteveryone, einem Londoner Think Tank, der sich für ein gerechteres Internet einsetzt und von der Dot-Com-Pionierin und lastminute.com Mit-Gründerin Martha Lane-Fox ins Leben gerufen wurde. Das heißt: Statt verbissen an einem Plan festzuhalten, ist Ehrlichkeit gefragt. In diesem Zusammenhang rief sie gemeinsam mit ihrer Mitdiskutantin Priya Guha dazu auf, in einem Umfeld, das sich immer wieder ändert, auch mehr auf den eigenen Instinkt und die eigene Erfahrung zu hören.

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Und was möchte uns Facebook hiermit wohl sagen ...



Fazit also? Leadership wird diverser, flexiber und offener. Wer im digitalen Zeitalter erfolgreich führen möchte, muss seinem Team glaubwürdig vermitteln können, was Zweck und Mission der Aktivitäten sind; transparenteres Agieren ist gefragt – und die Fähigkeit, Ambiguität als wesentlichen Bestandteil unserer digitalen Welt vor allem mit Ehrlichkeit begegnen zu können. Die Zeit der alleswissenden Einzelkämpfer ist vorbei.

Die Autorin: Barbara Geier, Alumna Steinbeis-SMI. Barbara lebt und arbeitet in London unter


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